Dana Ranga
Wasserbuch – Gedichte

Drehbuch zu einer Reise
in die Tiefen des Meeres

Es gibt viele Bilder, die zeigen, wie dieser Planet von oben aussieht, aus dem All betrachtet, aus dem Blickwinkel der Astronauten. Doch wie sehen die Erde und ihre Bewohner von unten aus, vom Meeresgrund, wahrgenommen mit den Sinnesorganen einer anderen Spezies? Was sieht der Elfenwels, was der Teufelsangler oder der Schwarze Messerfisch, wenn er aus der Dunkelheit auf die Artgenossen blickt – und auf die Artfremden, die Menschen?
Dana Rangas Gedichte sind die Stationen einer Reise durch die Tiefen der Ozeane und gleichzeitig Szenen eines subaquatischen Films. Vor der Kulisse dem Landbewohner entrückter Unterseelandschaften und in schnell wechselnden Einstellungen begegnen sich Fisch und Mensch, und das Spiel der Verwandlungen beginnt: Dem Lungenatmer wachsen Kiemen, und die Meeresbewohner entwickeln allzu menschliche Leidenschaften.

Feuerfisch Wasserbuch Dana Ranga

Zwei Gedichte aus dem Buch.

Bekenntnispolizei, eine große Familie, auch unter uns lauter Kains und Abels, jeder ist
ein Polizist, Glückspolizei, auch bei Hunger und Angst, wir greifen zu, Lauthalspolizei,
wir durchsuchen die Liebe und nachts den Regen, jeder ist ein Polizist, auch der Hunger
und die Angst, Armesünderpolizei, das Zittern ziert uns, ich jage dich und du jagst mich,
Immerwiederpolizei, du stirbst zuerst, danach sind wir die Toten

exodon paradoxus
(Zweitupfen-Raubsalmler)

Das Meer ist leer; füllt es auf mit Tränen. Füllt es auf mit Regenrauschen, füllt es auf
mit Blau und Trost; Wellenlaut wiegt sich, zerbricht.

Die Welt: Bauch, Buch. Zur Vergewisserung: Lasst sie schweigen, sprechen, früh, frei,
versprochen, verhört, Freisprache, seetief

Mariannengraben

Erschienen: 19.09.2011; Suhrkamp Verlag
Klappenbroschur, 79 Seiten
ISBN: 978-3-518-42238-0