Kritiken

„Werde furchtlos…“

Klare Zuschreibungen, überschaubare Ordnung sind Dana Ranga fremd. Schon in ihrem leuchtenden „Wasserbuch“ (2011), einer Sammlung ozeanischer Gedichte, tastete sie den Sprachbewegungen und Verschiebungen im Gefüge des Denkens nach: „Atmen und singen in stiller Bucht. Wasser kennt keine Narben; Druckwelle, Abschied, / akzentfreie Entfernung // zwischen dir und mir“, heißt es hier in einem Stück zu Carcharodon carcharias, dem Weißer Hai. Und über Octopus vulgaris , die gemeine Krake: „Werde furchtlos und lebe versteckt, hier bleibt nichts zu entdecken.“ Zu entdecken aber gibt es bei Dana Ranga viel, man muss nur ihren Verknüpfungen folgen und dabei spüren, wie frei sich das Denken manchmal bewegen kann. 

(Nico Bleutge, Süddeutsche Zeitung, Literatur)

„Güte, Güter und Fischgründe“

Was liegt näher als vom Weltraum in die Unterwasserwelt abzutauchen? Die Atem- wie die Bewegungsverhältnisse scheinen in diesen Reichen verwandt zu sein, der Ozean in seiner Unendlichkeit ein terrestrischer Spiegel des Alls. Rangas schillernd hermetische Fisch-Gedichte sind wiederum ein zerbrochener Spiegel irdischer und unirdischer Güter, als wäre die ganze Welt umgekippt ins Wasser gefallen und glitte wie in einem Ozeanum stückchenweise am Fisch-Betrachter vorbei. „Es ist Zeit für Augenwischerei und Trost. Verstrahlt, die Liebe; zersetzt, die Güte. Nun? / Zieht die Unterschrift nach. Ein neues Gefühl, es gibt nichts zu verbergen“ echot der Astronotus ocellatus. Ein Buch für meditative Taucher und Korallenreparateure. 

(Astrid Kaminski, „Berliner Zeitung“, Bücher-Lyrik und „Frankfurter Rundschau“, Feuilleton) 

„Schreiben ist wie Atmen“

Mit ihrem Lyrikband „Wasserbuch“ tauchte die Poetin in die fabelhafte Welt lateinischer Namen von Hippocampus erectus (Seepferdchen) oder Octopus vulgaris (Gemeine Krake) ein… Die Kunst sei ein Umweg gewesen, ein schöner langer, intensiver, ereignisreicher… Es sei Nach-Hause-Kommen, das keiner Schreibmaxime bedürfe. „Es ist für mich wie Atmen, ein zusätzlicher Sinn, etwas Selbstverständliches.“ 

(Julia Schafferhofer, „Kleine Zeitung“, Kultur)

„Das All in Graz“

In ihrem Gedichtband „Wasserbuch“ versetzt sie sich dagegen in Meeresbewohner hinein und inszeniert Begegnungen zwischen Fischen und Menschen… „Literatur ist eine Welt für sich, da bin ich im All der Kunst und brauche meinen Astronautenanzug, um die Koordinaten zu bestimmen“. 

(Sonja Radkohl, „Kronen Zeitung“, Kultur)

lyrikkritik.de

Elektromagnetische Wellen, Botenstoffe, Alarm, Tod, Altar, Gebet, Reim, nicht schlecht, was hier alles verhandelt wird. Höhen und Tiefen, Elemente und Elementares. Da liegt ein Engel auf der Lauer, inbrünstig und stößt nur ab und zu einen Seufzer hervor. Du darfst spekulieren, er hat das zum Fressen gern. 

(Hendrik Jackson, „critiquetriebe – Gedicht & Diskussion“)